Mi 21 Aug, DOORS 20:30H, SHOW 21:00H

THE SOFT MOON (USA)

Vor und nach der Show beehrt uns DJ Mick Messer, bevor er weiter an die More Than Mode ins X-Tra zieht.

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Luis Vasquez, Gründer von The Soft Moon aus San Francisco, beschreibt sein musikalisches Schaffen so: "The Soft Moon war ein Weg für mich, zu meiner Vergangenheit zurückzukehren, in der Hoffnung, mehr über mich selbst zu lernen."

Der Mix aus Post-Punk, New Wave und Krautrock erinnert mit der flüsternden Stimme des Hauptakteurs an Bauhaus, New Order, The Cure oder Editors

 

Im Oktober veröffentlichte Soft Moon ihre zweite LP „Zeros“ und stellt sie nun endlich auch live in Zürich vor!

Auf dieser heißt sowohl das erste als auch das letzte Stück "It ends", wobei eins davon auf der Trackliste perfiderweise in Spiegelschrift auftaucht, auch wenn man das hier nicht sehen kann. HTML-Editoren sind eben auch nur Menschen - im Gegensatz zu The Soft Moon. Diesen Eindruck macht die Band zumindest auf dieser zutiefst inhumanen Platte, wenn mechanisch rasselnde Stahlsaiten und gepeinigte frühelektronische Schreie erst einmal klirrende Kälte verbreiten.

Die eisige instrumentale Wucht von "Zeros" klingt sogar fast noch menschlicher als das, was Frontmann Luis Vasquez von sich gibt - vorausgesetzt, sein Organ dringt überhaupt einmal an die Oberfläche. Und selbst dann ist sein einsames, durch sämtliche Hallgeräte gezogenes Geröchel nicht von dieser Welt. Vom Gedanken, man könne ein Wort von den spartanisch eingestreuten Lyrics verstehen, sollte man sich ohnehin flugs verabschieden. Wären Joy Division seinerzeit in einem schwarzlichtdurchfluteten Kühlhaus zwischen gefrorenen Schweinehälften aufgetreten - der Effekt hätte nicht erschreckender sein können. Noch mehr erschreckt aber, wie unglaublich gut das alles ist.

Nun sollte man annehmen, der Mann brauche keine Gesellschaft, um alleine zu sein. Trotzdem sind The Soft Moon anders als auf dem von Vasquez im Alleingang eingespielten Debüt inzwischen mindestens zu dritt - und legen noch eine Schippe Rigidität obendrauf. "Machines" ist treffend benannt und führt gedoppelte Handclaps und gotisch kreisenden Bass ein, "Zeros" legt kreischsägende Gitarren und Alarmsirenen aus dem Synthie nach, während kleine vokale Wölkchen in der von Minusgraden gesättigten Atmosphäre sublimieren. So klingen Seelen an einem Nullpunkt, ab dem selbst aus den gewitzten Maschinen nur noch undurchdringliche Trockeneiswolken analoger Verzweiflung aufsteigen.

Ausgerechnet "Insides" schont dann die Eingeweide und glänzt mit einem von schlotternden, aber geschickten Fingern gespielten Gitarrenlauf, der sich alle Mühe gibt, die Oberhand über die frostharte Grundierung zu behalten. Man freut sich schon fast auf einen dick eingemummelten Spaziergang mit frühen The Cure oder bis auf die Knochen abgeschliffenen A Place To Bury Strangers durch sterbende Wälder, da fällt bei der gnadenlosen Single "Die life" endgültig alles in Schockstarre. "I want it / You got it", keucht Vasquez kurz vor Schluss atemlos zu unablässigem Geklacker - dann plötzlich Stille und eine rückwärts abgespielte Reprise des Openers. 

Das Ende ist nah. Endlich.